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Willi-Graf-Realschule

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Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger vom 14.10.2003

Schulen halten Andenken
an Willi Graf aufrecht
Widerstandskämpfer wurde vor 60 Jahren hingerichtet

Der gebürtige Kuchenheimer, Mitglied der Bewegung "Weiße Rose", bezahlte seine Kritik am NS- Regime mit dem Leben.

VON F.A. HEINEN
Euskirchen -

Willi Graf


Willi Graf, Mitglied der Widerstandsgruppe "Weiße Rose", wurde am 12. Oktober 1943 von den Nationalsozialisten im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet

"Freiheit der Rede, Freiheit des Bekenntnisses, Schutz des einzelnen Bürgers vor der Willkür verbrecherischer Gewaltstaaten, das sind die Grundlagen des neuen Europa": Anfang 1943 war es lebensgefährlich, in Hitler-Deutschland solche Forderungen auf Flugblättern zu erheben. Der gebürtige Kuchenheimer Willi Graf tat es dennoch in der um Hans und Sofie Scholl entstandenen Widerstandsgruppe "Die weiße Rose".' Die Geschwister Scholl wurden am 18. Februar 1943 von der Gestapo verhaftet und durch den berüchtigten Volksgerichtshof unter Roland Freisler zum Tode verurteilt. Bei der Suche nach Freunden der Scholls stießen die Häscher bald auch auf Willi Graf. Nach monatelanger Gestapo-Haft lautete das unbarmherzige Urteil auf Todesstrafe wegen Hochverrats. Der Kuchenheimer, der die Diktatur mit politischen Mitteln bekämpfte, endete dafür  auf dem Schafott. Am 12. Oktober 1943 gegen 17 Uhr fiel im Gefängnis München-Stadelheim das  Fallbail
  Insgesamt  acht  Schulen  in Deutschland tragen heute den Namen des Mannes, der für seine Überzeugung  von  Demokratie  und menschlichem Anstand in den Tod ging.  In Euskirchen wurde eine Realschule nach Willi Graf benannt. Anlässlich seines Todestages trafen sich am l. und 2. Oktober fünf Schulen in Saarbrücken, um den Gedenktag gemeinsam zu begehen. Auch die Euskirchener Realschule war mit einer Delegation, bestehend aus Lehrern, Schülern und Eltern, im Saarland vertreten.

Die beiden dortigen Willi-Graf-Schulen, ein Gymnasium und eineRealschule, hatten eine umfangreiche Ausstellung über das kurze Leben des Widerstandskämpfers organisiert. Dazu steuerte Anneliese Knoop-Graf Schwester von Willi Graf, etliche Bilder aus ihrem Familienalbum bei.   
Der 60. Todestag Grafs war denn auch Anlass für eine Gedenkfeier in der Saarbrücker Ludwigskirche, in deren Verlauf die tragische Geschichte  der  Widerstandsgruppe "Weiße Rose" noch einmal lebendig wurde. Am nächsten Tag besuchten die Gäste aus Euskirchen auch die letzte Ruhestätte von Willi Graf auf dem Friedhof der Pfarre St. Johann, wo von offizieller Seite weiße Rosen niedergelegt wurden.

Willi Graf wurde am 2. Januar  1918 in Kuchenheim als Sohn des Leiters der dortigen Molkerei geboren. Vier Jahre später verzog die ebenso  katholisch-religiöse  wie wohlhabende Familie nach Saarbrücken. Willi Graf besuchte dort das; Gymnasium und schloss sich einer. kirchlichen Jugendbewegung  an.

Nachdem Ende 1936 die Hitler-Jugend praktisch verpflichtend wurde, weigerte  Graf sich  beizutreten.  Stattdessen machte er mit bei einem  damals illegalen konfessionellen  Jugendbund.    
1938 schlug die Geheime Staatspolizei (Gestapo) zu. 30 Mitglieder  der Jugendgruppe wurden verhaftet,  Graf saß gut zwei Wochen in Untersuchungshaft. Nach dem obligatorischen Arbeitsdienst nahm er in  Bonn ein Medizinstudium auf, 1940  kam die Einberufung zur Wehr macht. Als Sanitäter erlebte der Regimegegner Kriegseinsätze in Russland und auf dem Balkan mit.  Dabei war seine Meinung unzweideutig: Deutschland muss und wird  den Krieg verlieren. Diese Einstellung verstärkte sich angesichts der  Gräuel in Russland: "Der Krieg gerade hier im Osten führt mich an Dinge, die so schrecklich sind, dass ich sie nie für möglich gehalten hätte", schrieb er in einem Brief.    1942 wurde Willi Graf zu einer Studentenkompanie nach München versetzt, um sein Medizinstudium zu vollenden. Dabei lernte er Hans  Scholl kennen. Schnell stieß der gebürtige Kuchenheimer zum Freundeskreis der Scholls und damit zum Widerstandskreis "Weiße Rose". Bald tauchten deren Flugblätter auf, in; denen das Regime hart angegriffen wurde., Die Widerstandsgruppe bezeichnete den NS-Staat als "Diktatur des Bösen", Hitlers Mund als "stinkenden Rachen der Hölle". Die  Flugblätter riefen zur Sabotage auf.    
Als am. 13. Januar 1943 der Münchner Gauleiter Giesler in einer  Rede an der Universität die Münchner Studentinnen dazu aufforderte, "dem Führer ein Kind zu schenken", kam es zu Tumulten. Willi Graf und seine Freunde glaubten, das sei ein erstes Zeichen dafür, dass ihre Aufrufe zum Widerstand gehört würden. Die Gruppe druckte ein weiteres Flugblatt, in dem unter deutlichem Bezug zu der Giesler-Rede die deutsche Jugend aufgefordert wurde, die Tyrannei abzuschütteln.    

am Grab Willi Grafs
In Saarbrücken fand Willi Graf seine letzte Ruhestätte

Wenig später wurden Hans und Sophie Scholl vom Pedell der Universität mit Flugblättern des Widerstands gefasst, die Verhaftungswelle begann. Willi Graf erwies sich als standhaft auch in den Gestapo-Verhören. Er gab keinen Namen preis und rettete damit einigen Gleichgesinnten das Leben.

 

Prälat Moll predigt

"Willi Graf - vor 60 Jahren hingerichtet" heißt der Titel einer Gedenkveranstaltung, zur der die  Pfarrgemeinde St. Nikolaus Kuchenheim und das katholische Bildungswerk Euskirchen für Samstag, 19. Oktober, einladen. Um 15  Uhr beginnt eine Ausstellung Im  Pfarrzentrum in der .Schattenbergstraße über das Leben des Widerstandskämpfers und seine Wurzeln In Kuchenhelm.  Um 18 Uhr wird in der Kirche St. Nikolaus ein Gedenkgottesdienst  gefeiert. Die Predigt hält Prälat Dr. Helmut Moll. Wiederum im Pfarrzentrum steht um 19 Uhr ein Vortrag voo Christoph Studt vom Historischen Seminar der Universität  Bonn auf dem Programm. Er  spricht zum Thema "Willi Graf und  die Weiße Rose". Weitere Informationen gibt es unter Tel. 02251- 51826

 

 

 

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