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Artikel in der Kirchenzeitung Köln vom 17.10.2003 Ein Zeichen gegen die TyranneiVor 60 Jahren starb Willi Graf unter dem Fallbeil
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Das Elend sieht uns an",
notierte Willi Graf in seinem Tagbuch, als er im Kriegssommer
1942 vor den Mauern des Gettos von Warschau stand.
Abkommandiert zum Sanitätsdienst an die Ostfront,
nutzten er und seine Freunde von der Widerstandsgruppe
der "Weißen Rose" - Hubert Furtwängler,
Hans Scholl und Jürgen Wittenstein - einen
Halt in der polnischen Metropole, um sich ein eigenes
Bild von Verbrechen an Juden zu machen. Die Medizinstudenten
begnügten sich nicht mit einem verinnerlichten
Mitleiden. Sie dokumentierten das Grauen des Völkermords
mit Fotografien und befragten Scharfschützen an
der Getto-Mauer. |
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Willi Graf als Medizinstudent |
Eindrücke, die sich an der Front
vor Moskau verdichteten. Obwohl den Freunden der "Weißen
Rose" eine Verurteilung wegen "Fraternisierung
mit dem Feind" drohte, suchten sie den Kontakt
mit der Bevölkerung. |
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Mutiger WiderstandAm 12. Oktober 1943 bezahlte der 25-jährige
Medizinstudent seinen mutigen Widerstand mit dem Tod.
Was waren seine Kraftquellen, freiwillig und einsam
seinen Weg zu gehen, um dem zum rasenden Ungeheuer entarteten
Staat entgegen zu treten? Willi Graf wurde am
2. Januar 1918 im rheinischen Kuchenheim geboren und
hat dort erste Jahre einer glücklichen
Kindheit erlebt, bis seine Familie 1922 nach Saarbrücken
zog. Von religiöser Natur und früh interessiert
an ethischen Fragen, war er als Schulkind Ministrant
in seiner Pfarrei, wo er auch Kaplan Joseph
Höffner, dem späteren Erzbischof,
bei der Messfeier diente. Als der Zehnjährige
das Gymnasium besuchte, trat er dem katholischen
Jugendbund "Neudeutschland" (ND)
bei. |
Heimatgemeinde erinnert an Widerstandskämpfer In Euskirchen-Kuchenheim, dem Geburtsort Willi Grafs, findet am Samstag, 18. Oktober, eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 60. Jahrestages der Hinrichtung von Willi Graf statt. Um 15 Uhr wird im Pfarrzentrum St. Nikolaus, Schellenbergerstarße, eine Ausstellung zu Willi Graf eröffnet. Prälat Dr. Helmut Moll, Beauftragter der Deutschen Bischofkonferenz für das Martyrologium des 20. Jahrhunderts feiert um 18 Uhr in der St.-Nikolaus-Kirche den Gottesdienst und hält die Predigt. "Willi Graf und die, Weiße Rose" lautet das Thema eines Vortrags, den der Historiker Dr. Christoph Studt um 19 Uhr im Pfarrzentrum ST. Nikolaus hält. |
Resistent gegen das Nazi-Virus, schloss sich der Gymnasiast dem "Grauen Orden" an, wo das bündisch katholische Leben in der Gruppe auf Wanderfahrt oder im Zeltlager fortlebte bis der NS-Staat im Zug der allgemeinen Kriegsmobilisierung dem illegalen Verein 1938 den Prozess machte.
Geschockt von seinen Erlebnissen als Soldat an der Ostfront,
arbeitete Graf ab 1942 eng mit Hans Scholl und seinem Freundeskreis
in der "Weißen Rose" zusammen, der das Hitler-Regime
aufs tiefste verabscheute und das deutsche Volk durch Flugblätter
und ähnliche Aktionen auf die Verbrechen des Nationalsozialismus
aufmerksam machen wollte. Am 18. Februar 1943 wurde Willi
Graf neben Hans und Sophie Scholl verhaftet. Weil sich die Gestapo
erhoffte, von Willi Graf weitere Namen Oppositioneller zu erfahren,
wurde die Vollstreckung seiner Hinrichtung aufgeschoben. Doch dieser
gab bei den folgenden Verhören keine Namen preis.
Ein
tiefes Gottvertrauen beseelte Willi Graf, als er am 12. Oktober
1943 seinen Gang zum Schafott antrat: "Mit dem Tod beginnt
erst unser wahres Leben." ANSELM VERBEEK

An Willi Graf und Heinrich Rüster, den ebenfalls aus Kuchenheim stammenden Schriftsteller, der ein Jahr vor Graf von den Nazis ermordet wurde, erinnert in der Taufkapelle der Kuchenheimer St-Nikolaus-Kirche (links) eine Gedenktafel.
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