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Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger vom 22.10.2003

Preise der Bilder schockierten die Schüler

Viele Jugendliche waren zum ersten Mal in einer Ausstellung Diskussion mit Künstlern

Die Klasse 10 d der Willi-Graf-Realschule schrieb 27 Leserbriefe zur Ausstellung "Hinz & Kunst" im alten Casino.

VON PATRIK REINARTZ Euskirchen
In der Liste der liebsten Freizeitbeschäftigungen von Jugendlichen rangiert der Besuch von Kunstausstellungen wahrscheinlich ziemlich weit hinten. So stöhnten auch die Jungen und Mädchen der Klasse 10 d der Euskirchener WilliGraf-Realschule erst einmal genervt auf, als Lehrerin Sabine Hofmeister sie kürzlich in die Schau "Hinz & Kunst" ins alte Casino schleppte.

Klasse 10d
Die Jungen und Mädchen der Klasse 10d der Willi-Gr4af-Realschule haben Leserbriefe zur Ausstellung "Hinz&Kunst" geschrieben
Bild: Reinartz

Für die Mehrzahl der Schüler war das der erste Ausstellungsbesuch überhaupt. Der letzte indes blieb es nicht: Auf eigenen Wunsch schauten sich die Schüler .wenig später noch einmal im Casino um. Denn im September zeigten dort über 20 Euskirchener Künstler ihre Werke, für 14 Tage waren rund 300 Exponate in dem historischen Gemäuer zu sehen.

Wir haben heiße
Debatten geführt
SABINE HOFMEISTER, LEHRERIN

ei einer kurzen Stippvisite war diese Vielfalt kaum zu überblicken. So nahmen die Jugendlichen die Bilder noch einmal genau unter die Lupe, sie diskutierten mit den Künstlern und bildeten sich eine eigene Meinung über die Ausstellung. An die Redaktion des "Kölner StadtAnzeiger" schrieb anschließend jeder einen Leserbrief insgesamt 27 an der Zahl. Die Schüler kommentierten in ihren Stellungnahmen einen Bericht im Vorfeld der Kunstausstellung und den Artikel über die Vemissage.
"Fast alle haben erstmals einen Leserbrief geschrieben", erklärte Klassenlehrerin Sabine Hofmeister. Die Jungen und Mädchen nahmen die Berichterstattung im "Kölner Stadt-Anzeiger" kritischunter die Lupe, sie äußerten sich aber auch zu ihren eigenen Lieblingsbildem. Die hyperrealistischen Bilder des Malers Michael Lauterjung, so geht aus den Briefen hervor, kamen bei vielen Schülern außerordentlich gut an. "Das lag aber auch daran, dass der Künstler uns seine Werke auf sehr interessante Weise erläutert hat", meinte Sabine Hofmeister. Über andere Exponate, waren viele Jugendliche nachgerade entsetzt.
Nur wenigen gefiel ein avantgardistisch anmutendes Objekt von Elke Wessel, bei dem eine Vielzahl von Babyfiguren in Gläsern zu sehen waren. Zwar versuchten die Schüler, den Sinn des Werkes zu ergründen: Es geht darin, so die Schlussfolgerung der meisten, um die genetische Reproduktion von Menschen. Schön fanden die meis ten Jugendlichen die Installation aber nicht.
Doch in der Kunst sind die Geschmäcker eben verschieden. Das war auch in der Klasse 10 d nicht anders. "Wir haben heiße Debatten geführt", meint Sabine Hofmeister: "Das war richtig spannend und hat auch mir als Lehrerin richtig Spaß gemacht." Auf Unverständnis bei den jungen Leuten stießen die hohen Preise, die für die Kunstwerke verlangt wurden: Dass manche Bilder mehrere tausend Euro wert sein sollten, konnten die Schüler kaum nachvollziehen. Vielen Leserbriefschreibem von der Klasse 10 d war aufgefallen, dass im ersten Zeitungsartikel von 23, im zweiten von 24 beteiligten Künstlern die Rede war. Das jedoch lag daran, dass sich die Zahl der Teilnehmer zwischenzeitlich in der Tat erhöht hatte. Der dickste Klops dagegen fiel niemandem auf: "Geplant war die Kunstschau eigentlich schon zur 750-Iahr-Feier der Stadt Euskirchen", hieß es da. Dieses Fest steht jedoch erst 2052 ins Haus: Die Stadt Euskirchen wurde 2002 gerade einmal 700 Jahre alt.

"Viele gute Künstler in Euskirchen"

Auszüge aus den Briefen
der Realschüler:

Die Artikel zur Ausstellung "Hinz und Kunst" gefielen mir ausgesprochen gut. Die Journalisten haben ihre Arbeit sehr gut gemacht. Sebastian Masrourcher
Die Artikel waren sehr interessant, da sie angesprochen haben, welche Probleme es gab, einen geeigneten Ausstellungsplatz zu finden. Sabrina Steinheuer
Vielleicht hätte man in den Berichten einige sehr interessante Kunstwerke näher vorstellen sollen. Julia Gehrke, Jennifer Weijda
.Als erstes ist mir aufgefallen dass, Sie in beiden Artikeln verschiedene Angaben zur Zahl der Kunstler machen. In einem sind es 23, im anderen 24. Nadine Kaminski
Ih rBericht war sehr leicht zu lesen, allerdings waren einige Wörter dabei, die ich nicht verstehen konnte, wie z.B. Individualisten, Installationen und Objektkunst. Massi Rahimi
In dem Artikel wird das alte Casino als schön dargestellt. Wenn man jedoch in den Keller geht, hängen an der Decke Spinngewebe, und auf dem Boden liegt dreckiger, nasser Sand. Jennifer Krämer, Ulrike Czajka
Die Mischung aus alten Räumlichkeiten und modemer Kunst gefiel mir großartig. Dennis Berk
Es lag ein unangenehmer Geruch von Moder in der Luft. Kathrin Jansen
Den Standort für die Ausstellung fand ich sehr schön, weil die Bilder gut zum alten Casino passten. Rene Roggendorf
Ist ein altes, zerfallenes Gebäude mit dreckigen Wanden und stickiger Luft ein guter Ausstellungsort für moderne Kunst? Barbara Küpper
Die Präsentation war sehr gelungen. Abschreckend auf die Besu-cher waren die Preise. Desiree Caron
Positiv überrascht war ich von der Tatsache, dass es in Eukirchen so viele gute Künstler gibt. ReneZieleke

Gut fand ich, dass es sehr verschiedene Stilrichtungen zu sehen gab. Mein absoluter Favorit war das Bild "Schlangen" von Gisela Schumacher. Tim Osten
Die Preise der Bilder haben mich schockiert. 2000 Euro und mehr sind viel, die jüngere Generation kann sich so etwas nicht leisten. Alina Minderjahn
Ich fand viele Bilder sehr schön, andere ergaben für mich keinen Sinn. Mario Schmitz
Besonders gut gefielen mir die Bilder von Maria Latzke. Ich hatte den Eindruck, dass die Künstlerin mit viel Liebe gemalt hat. Saskia Eich
Einige Bilder fand ich nicht gut, da sie komische Namen hatten und aussahen, als hätten Kinder sie ge malt. Jens Krämer
Die Bilder von Naji El-Hazib gefielen mir sehr gut, sie waren meist fröhlich und bunt. Sinnlos empfand ich die Objekte von Susan Putnam-Vüllers. Christian Bauchmüller
Ich persönlich sehe Fotografien und besonders Nacktfotografien nicht als Kunst an, weil daran nichts einzigartig ist. Sabrina Steinert
Die Bilder von Elke Wessel, Ga briele Latzke, Michael Blum und Gisela Schumacher haben mir sehr gut gefallen. Es waren aber auch Bilder dabei, bei denen mir der Kunstverstand fehlte. Simone Krämer
Die meisten, wenn nicht fast alle Gemälde sind viel zu teuer. Insge samt fand ich die Ausstellung "Hinz & Kunst" nicht so toll. Thomas Hackert
"Hinz & Kunst" war eine tolle Ausstellung. Ein MUSS fiir jeden Kunstliebhaber. Ricarda Stedron,Rebecca Steinhilper
Mir hat es gut gefallen, dass so viele unterschiedliche Künstler aus dem Umkreis gemeinsame Sache gemacht haben. Magdalena Buderath
Ich finde, dass es solche Ausstellungen öfter in Euskirchen geben sollte. Markus Hahn

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