![]() |
|||||||||
|
Prekäre Situation Ansturm auf die Realschulen - Keine Klassenräume für 60 Schüler Von Johannes Bühl Euskirchen - Die beiden Realschulen platzen ohnehin schon aus allen Nähten, doch im Sommer wird die Raumsituation noch prekärer. Für das kommende Schuljahr, das am 2. August beginnt, sind 266 Neuanmeldungen eingegangen. 167 davon für die Willi-Graf-Realschule, 99 für die benachbarte Kaplan-Kellermann-Schule. Das sind genug Schülerinnen und Schüler, um neun Eingangsklassen bilden zu können. Die Schulen, die in Raumfragen eng kooperieren, sind gemeinsam aber nur siebenzügig angelegt. Bereits im vorigen Jahr wurde jeder Quadratmeter ausgenutzt, um alle Anmeldewünsche, die zu einem Viertel aus den Nachbarkommunen kommen, erfüllen zu können. Unter anderem funktionierte man Fachräume zu Klassenzimmern um. Dies geschah auch in dem Neubau, der 1996 eingeweiht worden war. Aus pädagogischer Sicht ist die Situation bereits jetzt "äußerst unbefriedigend", sagte gestern auf Anfrage Willi Krause, der Konrektor der Kaplan-Kellermann-Schule. Doch die Probleme werden sich noch verschärfen. Denn aus dem Schulentwicklungsplan geht hervor, daß mit einem Rückgang der anhaltend hohen Anmeldezahlen erst vom Jahr 2005 an zu rechnen ist. "Ich weiß nicht, wie wir die Zeit bis dahin überbrücken sollen", gab sich Krause ratlos. Helge Biethahn, Leiter der Willi-Graf-Realschule, pflichtete ihm bei: "Ich habe große Angst, daß sich die Lage vom kommenden Jahr an verschlimmert." Losverfahren? Im Euskirchener Rathaus ist das Problem natürlich bekannt. In einer Vorlage für den Schulausschuß, der am nächsten Donnerstag tagt, stellt die Stadtverwaltung zwei Varianten vor, mit denen man der Raumnot kurzfristig begegnen kann. Erstens wäre es theoretisch möglich, 60 Aufnahmeanträge abzulehnen, 50 davon im Rahmen eines Losverfahrens. Doch dies wird nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Vielmehr schlägt die Verwaltung vor, wieder alle drei Pavillonklassen an der Ursulinenstraße in Betrieb zu nehmen. In einem der Räume wird momentan noch eine Klasse der Paul-Gerhardt-Schule unterrichtet, aber nur noch bis zum Ende des laufenden Schuljahres. Eine weitere Pavillonklasse wird frei, sobald im Laufe dieses Jahres in der Willi-Graf-Schule ein Kunstraum fertiggestellt wird. Unter dem Strich, so die Verwaltung, stünden damit zwei zusätzliche Räume zur Verfügung, so daß neun Eingangsklassen gebildet werden könnten. Allerdings befinden sich die Pavillons, die aus dem Jahr 1966 stammen, in einem schlechten Zustand. Deshalb schlägt die Verwaltung dem Schulausschuß vor, 70 000 Mark für Renovierungsarbeiten bereitzustellen. Helge Biethahn weiß angesichts der Prognosen aus dem Schulentwicklungsplan, daß die Pavillon-Lösung den Realschulen nur kurzfristig helfen kann. Er fordert, daß der Schulausschuß das kommende Schuljahr nicht isoliert betrachtet, sondern auch die Zeit bis 2008 ins Auge faßt. Der Erste Beigeordnete Dr. Christian Karaus sieht die Dinge genauso: "Wir lösen das Raumproblem lediglich für ein Jahr, und zwar nur dank einer Kraftanstrengung, die zum letzten Mal möglich ist. Nächstes Jahr könnte Feierabend sein." Mit anderen Worten: Karaus schließt nicht aus, daß 2000 erstmals Anmeldewünsche abgelehnt werden müssen.
Es sei nun Sache der Politik, den Kreis mit Hilfe der Bezirksregierung dazu
zu bewegen, auf den Bau einer Realschule in einer anderen Kommune zu
drängen. "Die Stadt Euskirchen kann nicht ewig die Hausaufgaben für
ihre Nachbargemeinden und den Kreis machen", betonte der Beigeordnete. |