bz Euskirchen. Gewalt unter Schülern ist alltäglich,
hat aber mittlerweile , Dimensionen angenommen, die bis vor kurzem undenkbar
waren. Nachdem Schüler einer Polizeifachschule Gewalt an Schulen untersucht
haben, und diese Ergebnisse in der Kölnischen Rundschau veröffentlicht
wurden, ist das Thema in aller Munde. In der Turnhalle der Willi-Graf-Realschule
diskutierten am Montag abend Lehrer, Eltern, , ein Busfahrer, ein
Schülervertreter, ein RVK Fahrdienstleiter und eine Kriminalbeamtin
über die jüngsten Entwicklungen auf den Schulhöfen und in
den Klassenzimmern des Kreises.
"Wir haben mittlerweile eine völlig neue Qualität der Gewalt",
räumte Aloys Hermes vom Kreisjugendamt ein. Habe es früher auch
hin und wieder Prügeleien gegeben, so endeten die meist, wenn einer
der Kontrahenten am Boden lag." Heute wird nachgetreten, das gab es früher
nicht."
Woher diese Gewalt kommt, darüber gab es am Montag abend im Podium und
im Zuhörerraum unterschiedliche Meinungen. Vielfach werde die Gewalt
schon aus der Familie mit in die Schule gebracht. Eltern hätten zu wenig
Zeit für ihre Kinder, die darüber Wut und Aggression entwickelten
und diese |
unter Gleichaltrigen abreagierten. "Überfüllte Busse, die
Schüler werden wie Vieh transportiert, das muß zu Gewalt
führen", sah ein anderer Diskussionspartner eine weitere Ursache. Es
fehle an Geld, das wiederum die Politik bereitstellen müsse. Manfred
Heinen, Fahrdienstleiter der RVK: "Wenn es bezahlt wird, sind wir auch bereit,
jedes Kind einzeln mit einem Sportwagen abzuholen."
Jugendliche, so berichtete ein Vater, unterlägen heute einem kaum
vorstellbaren Gruppendruck: "Ich habe meine Kinder heimlich am Bahnhof beobachtet
und war erschüttert, wie die sich in der Gruppe gebärdeten. Die
waren ganz anders, als zu Hause, nicht mehr die lieben Kleinen." Ein Verhalten,
das Aloys Hermes vom Kreisjugendamt bestätigte. Und auch Realschulleiter
Helge Biethahn räumte ein: "Der Gruppendruck der Mitjugendlichen ist
größer, als die Ideale, die zu Hause in der Familie vermittelt
wurden." Busfahrer Erich Senkleiter berichtete von der alltäglichen
Hölle des Schülertransports. Kein Tag ohne Prügeleien oder
Sachbeschädigungen. Und. ihm seien als Busfahrer die Hände gebunden.
"Uns sind ebenfalls die Hände gebunden, beklagte Pausenlehrer Theo Heinrichs
von der Willi-Graf- Realschule. Wenn man im Lehrerkollegium Maßnahmen
gegen auffällige Schüler beschließe, werde man oft von der
übergeordneten Behörde "zurückgepfiffen". |
Unter der Diskussionsleitung von "Rundschau"-Redakteur Michael Schwarz
wurden auch einige Ursachen der Misere ausgemacht: Überfüllte
Klassenzimmer und Schulbusse -daran seien Politiker schuld, die zu wenig
Geld für die Ausbildung der Kinder bewilligten.
CDU-Kreistagsabgeordneter Bernd Kolvenbach, der im Zuhörerraum saß,
nutzte die Gelegenheit, um seine Sicht der Dinge darzustellen. Natürlich
habe man in der Vergangenheit als Politiker Fehler gemacht. Aber sei das
Gewaltproblem ein Problem, das alle anginge? Die Wurzel allen Übels
liege in der Familie und bei den Erwachsenen. Jeder müsse Verantwortung
tragen, daß Gewalt nicht ausufere. Oft reiche der Uberraschungseffekt
aus, um einen Streit zu schlichten. Bloßes Wegschauen fördere
die Ausuferung von Gewalt im alltäglichen Leben.
"Und wo wir nun ausreichend Busse und mehr Klassenräume herbekommen,
wissen Sie aber auch nicht?" fragte Moderator Schwarz unter dem Beifall der
Eltern. "Alles, was wir mehr bewilligen, müssen wir auch über
Steuergroschen finanzieren", warnte Kolvenbach.
Hans-Jürgen Schlicht, Vorsitzender des Vereins der Ehemaligen, Freunde
und Förderer (VEFF) zeigte sich nach der Diskussionsrunde zufrieden.
Man werde seitens des Fördervereins weiter initiativ bleiben. "Vielleicht
gelingt es uns, eine Theatergruppe zum Thema Gewalt zu bekommen", kündigte
Schlicht an. |