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Willi-Graf-Realschule
Artikel in der Kölnischen Rundschau vom 19.5.99

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Podiumsdiskussion in der Willi-Graf-Realschule zur Situation der Jugendlichen - In der Gruppe verhalten sie sich völlig anders

Experten warnen vor neuer "Qualität der Gewalt"

bz Euskirchen. Gewalt unter Schülern ist alltäglich, hat aber mittlerweile , Dimensionen angenommen, die bis vor kurzem undenkbar waren. Nachdem Schüler einer Polizeifachschule Gewalt an Schulen untersucht haben, und diese Ergebnisse in der Kölnischen Rundschau veröffentlicht wurden, ist das Thema in aller Munde. In der Turnhalle der Willi-Graf-Realschule diskutierten am Montag abend Lehrer, Eltern, , ein Busfahrer, ein Schülervertreter, ein RVK Fahrdienstleiter und eine Kriminalbeamtin über die jüngsten Entwicklungen auf den Schulhöfen und in den Klassenzimmern des Kreises.
"Wir haben mittlerweile eine völlig neue Qualität der Gewalt", räumte Aloys Hermes vom Kreisjugendamt ein. Habe es früher auch hin und wieder Prügeleien gegeben, so endeten die meist, wenn einer der Kontrahenten am Boden lag." Heute wird nachgetreten, das gab es früher nicht."
Woher diese Gewalt kommt, darüber gab es am Montag abend im Podium und im Zuhörerraum unterschiedliche Meinungen. Vielfach werde die Gewalt schon aus der Familie mit in die Schule gebracht. Eltern hätten zu wenig Zeit für ihre Kinder, die darüber Wut und Aggression entwickelten und diese
unter Gleichaltrigen abreagierten. "Überfüllte Busse, die Schüler werden wie Vieh transportiert, das muß zu Gewalt führen", sah ein anderer Diskussionspartner eine weitere Ursache. Es fehle an Geld, das wiederum die Politik bereitstellen müsse. Manfred Heinen, Fahrdienstleiter der RVK: "Wenn es bezahlt wird, sind wir auch bereit, jedes Kind einzeln mit einem Sportwagen abzuholen."
Jugendliche, so berichtete ein Vater, unterlägen heute einem kaum vorstellbaren Gruppendruck: "Ich habe meine Kinder heimlich am Bahnhof beobachtet und war erschüttert, wie die sich in der Gruppe gebärdeten. Die waren ganz anders, als zu Hause, nicht mehr die lieben Kleinen." Ein Verhalten, das Aloys Hermes vom Kreisjugendamt bestätigte. Und auch Realschulleiter Helge Biethahn räumte ein: "Der Gruppendruck der Mitjugendlichen ist größer, als die Ideale, die zu Hause in der Familie vermittelt wurden." Busfahrer Erich Senkleiter berichtete von der alltäglichen Hölle des Schülertransports. Kein Tag ohne Prügeleien oder Sachbeschädigungen. Und. ihm seien als Busfahrer die Hände gebunden.
"Uns sind ebenfalls die Hände gebunden, beklagte Pausenlehrer Theo Heinrichs von der Willi-Graf- Realschule. Wenn man im Lehrerkollegium Maßnahmen gegen auffällige Schüler beschließe, werde man oft von der übergeordneten Behörde "zurückgepfiffen".
Unter der Diskussionsleitung von "Rundschau"-Redakteur Michael Schwarz wurden auch einige Ursachen der Misere ausgemacht: Überfüllte Klassenzimmer und Schulbusse -daran seien Politiker schuld, die zu wenig Geld für die Ausbildung der Kinder bewilligten.
CDU-Kreistagsabgeordneter Bernd Kolvenbach, der im Zuhörerraum saß, nutzte die Gelegenheit, um seine Sicht der Dinge darzustellen. Natürlich habe man in der Vergangenheit als Politiker Fehler gemacht. Aber sei das Gewaltproblem ein Problem, das alle anginge? Die Wurzel allen Übels liege in der Familie und bei den Erwachsenen. Jeder müsse Verantwortung tragen, daß Gewalt nicht ausufere. Oft reiche der Uberraschungseffekt aus, um einen Streit zu schlichten. Bloßes Wegschauen fördere die Ausuferung von Gewalt im alltäglichen Leben.
"Und wo wir nun ausreichend Busse und mehr Klassenräume herbekommen, wissen Sie aber auch nicht?" fragte Moderator Schwarz unter dem Beifall der Eltern. "Alles, was wir mehr bewilligen, müssen wir auch über Steuergroschen finanzieren", warnte Kolvenbach.
Hans-Jürgen Schlicht, Vorsitzender des Vereins der Ehemaligen, Freunde und Förderer (VEFF) zeigte sich nach der Diskussionsrunde zufrieden. Man werde seitens des Fördervereins weiter initiativ bleiben. "Vielleicht gelingt es uns, eine Theatergruppe zum Thema Gewalt zu bekommen", kündigte Schlicht an.
Hinweis: Das Bild erschien so wie hier rechts in der Rundschau! Es ist aber seitenverkehrt, wir haben es deshalb in der Vergrößerung umgedreht! Foto: Zimmermann
Über die Ursachen und Auswirkungen von Gewalt diskutierten Eltern
und Experten in der Willi-Graf-Realschule. Foto: Zimmermann


 


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