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Widerstandskämpfer
Gedenkstunde mit Grafs Schwestern
Schüler trugen bewegende Texte vor
Von Karsten Karbaum
Euskirchen - Überall in ganz Deutschland gingen gestern
Abend Menschen auf die Straße, um schweigend oder demonstrierend der
Opfer des NS-Regimes zu gedenken. Die Reichspogromnacht jährte sich
zum 62. Mal. Schon gestern Morgen würdigten in der Sporthalle der
Willi-Graf-Realschule rund 300 Schüler, Lehrer und Ehrengäste in
einer ergreifenden Feierstunde den aufrechten Deutschen, dem die Schule ihren
Namen verdankt.
Der am 2. Januar 1918 in Kuchenheim geborene Willi Graf war Mitglied der
Widerstandsgruppe "Weiße Rose" und wurde dafür am 12. Oktober
1943 im Gefängnis in München-Stadelheim hingerichtet.
Die gestrige Veranstaltung war das achte offizielle Treffen aller acht Schulen
bundesweit, die den Namen Willi Grafs führen. Dazu hatten Schulen in
Koblenz, München, Saarbrücken und St. Ingbert an der Saar Vertreter
nach Euskirchen entsandt. In der Kreisstadt hatte es dieses Treffen zuletzt
im November 1986 gegeben.
Und was die Lehrer und Schüler der Euskirchener Realschule gestern besonders
freute: Auch die beiden Schwestern Willi Grafs waren angereist, die
79-jährige Anneliese Knoop-Graf aus Bühl im Schwarzwald und die
85-jährige Matthilde Baez, die in Saarbrücken lebt. Beide wurden
in der Sporthalle mit stürmischem Beifall begrüßt.
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WILLI GRAF mit seinen
Schwestern Mathilde und
Anneliese (von links) 1938
In dem Jahr wurde der
Widerstandskämpfer
erstmals verhaftet und
verurteilt, kam nach einer
Amnestie Hitlers allerdings
zunächst wieder frei.
(Photo: Knoop-Graf) |
"Mein Bruder Willi musste unter
dem Fallbeil sterben, weil er sagte und öffentlich machte, was er dachte",
berichtete Anneliese Knoop-Graf. Sie forderte die Mädchen und Jungen
auf, es ihm gleichzutun: "Wir leben heute in einer menschenwürdigen
Demokratie, die wir erhalten müssen." Anneliese Knoop-Graf nannte es
eine Verpflichtung für Schüler einer Willi-Graf-Schule, ganz besonders
aufmerksam zu sein: "Ihr müsst aufpassen, erkennen, nein sagen und
durchhalten können."
Der Leiter der Willi-Graf-Realschule, Helge Biethahn, sagte: "Wir sind heute
hier, um Gedanken an unsere Jugend weiterzutragen. Wir wollen Kindern klarmachen,
dass auch sie dazugehören, wenn es darum geht, nicht zu vergessen."
Die Schüler selbst hatten für die Feierstunde ein Programm vorbereitet.
Sie lasen aus Briefen vor, in denen Graf beschreibt, wie er den Kriegsbeginn
als Soldat an der Front in Russland erlebt, wie sich "der Himmel grellrot
verfärbt, weil Dörfer und Wälder brennen". Die Briefe berichten
von Begegnungen mit Hans Scholl, dem Leiter der Widerstandsgruppe "Weiße
Rose".
Die Mädchen und Jungen verlasen die erschütternden Abschiedsworte
Grafs. Diese hatte der Gefängnisgeistliche Heinrich Sperr kurz vor der
Hinrichtung stenografiert und den Zettel aus dem Gefängnis geschmuggelt.
Darin beklagt sich Graf nicht über sein Schicksal, sondern sagt, es
schmerze ihn, dass er Freunden und Verwandten Leid zufügen müsse,
weil er aus dem Leben scheide.
Die Schüler erinnerten auch daran, dass der in Kuchenheim geborene Graf
nach dem Krieg in Euskirchen weitgehend unbekannt war und dass erstmals die
katholische Jungmännergemeinschaft im Dezember 1963 beim Gemeinderat
beantragte, die Weidesheimer Straße in Willi-Graf-Straße
umzubenennen. An dieser Straße liegt auch das elterliche Haus.
Diesem Antrag wurde ein Jahr später stattgegeben. 1969 erhielten auch
die Bahnhofstraße und die Breitestraße den Namen des
Widerstandskämpfers. Dass die Realschule 1975 nach dem aufrechten Christen
benannte wurde, ist sechs Schülern der damaligen Schülervertretung
zu verdanken. Sie kamen aus Kuchenheim und brachten den Vorschlag ein, der
schließlich von der Stadt aufgegriffen wurde. |
Mittlerweile 79- und 85-jährig,
besuchten Anneliese
Knoop-Graf (Mitte) und
Mathilde Baez gestern
die Willi-Graf-Realschule
und Schulleiter Helge
Biethahn in Euskirchen
Rund 300 Schüler, Lehrer und
Ehrengäste nahmen an der
Gedenkfeier zu Ehren des in
Kuchenheim geborenen
Widerstandkämpfers teil.
(Bilder: Karbaum) |
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