Schullogo

Willi-Graf-Realschule
Artikel im Kölner Stadtanzeiger vom 10.11.2000

Widerstandskämpfer
Gedenkstunde mit Grafs Schwestern
Schüler trugen bewegende Texte vor

Von Karsten Karbaum

Euskirchen - Überall in ganz Deutschland gingen gestern Abend Menschen auf die Straße, um schweigend oder demonstrierend der Opfer des NS-Regimes zu gedenken. Die Reichspogromnacht jährte sich zum 62. Mal. Schon gestern Morgen würdigten in der Sporthalle der Willi-Graf-Realschule rund 300 Schüler, Lehrer und Ehrengäste in einer ergreifenden Feierstunde den aufrechten Deutschen, dem die Schule ihren Namen verdankt.
Der am 2. Januar 1918 in Kuchenheim geborene Willi Graf war Mitglied der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" und wurde dafür am 12. Oktober 1943 im Gefängnis in München-Stadelheim hingerichtet.
Die gestrige Veranstaltung war das achte offizielle Treffen aller acht Schulen bundesweit, die den Namen Willi Grafs führen. Dazu hatten Schulen in Koblenz, München, Saarbrücken und St. Ingbert an der Saar Vertreter nach Euskirchen entsandt. In der Kreisstadt hatte es dieses Treffen zuletzt im November 1986 gegeben.
Und was die Lehrer und Schüler der Euskirchener Realschule gestern besonders freute: Auch die beiden Schwestern Willi Grafs waren angereist, die 79-jährige Anneliese Knoop-Graf aus Bühl im Schwarzwald und die 85-jährige Matthilde Baez, die in Saarbrücken lebt. Beide wurden in der Sporthalle mit stürmischem Beifall begrüßt.

Schwestern

WILLI GRAF mit seinen
Schwestern Mathilde und
Anneliese (von links) 1938
In dem Jahr wurde der
Widerstandskämpfer
erstmals verhaftet und
verurteilt, kam nach einer
Amnestie Hitlers allerdings
zunächst wieder frei.
(Photo: Knoop-Graf)

"Mein Bruder Willi musste unter dem Fallbeil sterben, weil er sagte und öffentlich machte, was er dachte", berichtete Anneliese Knoop-Graf. Sie forderte die Mädchen und Jungen auf, es ihm gleichzutun: "Wir leben heute in einer menschenwürdigen Demokratie, die wir erhalten müssen." Anneliese Knoop-Graf nannte es eine Verpflichtung für Schüler einer Willi-Graf-Schule, ganz besonders aufmerksam zu sein: "Ihr müsst aufpassen, erkennen, nein sagen und durchhalten können."
Der Leiter der Willi-Graf-Realschule, Helge Biethahn, sagte: "Wir sind heute hier, um Gedanken an unsere Jugend weiterzutragen. Wir wollen Kindern klarmachen, dass auch sie dazugehören, wenn es darum geht, nicht zu vergessen."
Die Schüler selbst hatten für die Feierstunde ein Programm vorbereitet. Sie lasen aus Briefen vor, in denen Graf beschreibt, wie er den Kriegsbeginn als Soldat an der Front in Russland erlebt, wie sich "der Himmel grellrot verfärbt, weil Dörfer und Wälder brennen". Die Briefe berichten von Begegnungen mit Hans Scholl, dem Leiter der Widerstandsgruppe "Weiße Rose".
Die Mädchen und Jungen verlasen die erschütternden Abschiedsworte Grafs. Diese hatte der Gefängnisgeistliche Heinrich Sperr kurz vor der Hinrichtung stenografiert und den Zettel aus dem Gefängnis geschmuggelt. Darin beklagt sich Graf nicht über sein Schicksal, sondern sagt, es schmerze ihn, dass er Freunden und Verwandten Leid zufügen müsse, weil er aus dem Leben scheide.
Die Schüler erinnerten auch daran, dass der in Kuchenheim geborene Graf nach dem Krieg in Euskirchen weitgehend unbekannt war und dass erstmals die katholische Jungmännergemeinschaft im Dezember 1963 beim Gemeinderat beantragte, die Weidesheimer Straße in Willi-Graf-Straße umzubenennen. An dieser Straße liegt auch das elterliche Haus.
Diesem Antrag wurde ein Jahr später stattgegeben. 1969 erhielten auch die Bahnhofstraße und die Breitestraße den Namen des Widerstandskämpfers. Dass die Realschule 1975 nach dem aufrechten Christen benannte wurde, ist sechs Schülern der damaligen Schülervertretung zu verdanken. Sie kamen aus Kuchenheim und brachten den Vorschlag ein, der schließlich von der Stadt aufgegriffen wurde.

Grafs Schwestern 
Mittlerweile 79- und 85-jährig,
besuchten Anneliese
Knoop-Graf (Mitte) und
Mathilde Baez gestern
die Willi-Graf-Realschule
und Schulleiter Helge
Biethahn in Euskirchen

Feier

Rund 300 Schüler, Lehrer und
Ehrengäste nahmen an der
Gedenkfeier zu Ehren des in
Kuchenheim geborenen
Widerstandkämpfers teil.
(Bilder: Karbaum)

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