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Feierstunde in Euskirchener Realschule - Schwester des Widerstandskämpfers:
"Willi Graf ist einer von Euch"
Von Michael Schwarz
Euskirchen. Was hätte Willi Graf gedacht, wäre er gestern
Morgen in der Turnhalle der nach ihm benannten Euskirchener Realschule gewesen?
Diese Frage stellten sich seine Schwestern Anneliese KnoopGraf und Mathilde
Baez-Graf, die als Ehrengäste einer Feierstunde bewohnten. "Willi war
sehr bescheiden", berichtete Anneliese Knoop-Graf in ihrer Rede anlässlich
des neunten Treffens der Willi-Graf-Schulen in Deutschland. |
Gedachten Willi Graf: Schulleiter
Biethahn, die ehemalige Schulleiterin
Margret Gerke, Anneliese Knoop-
Graf, Mathilde Baez-Graf und der
ehemalige Schulleiter
Heinz Arnolds.
Foto: Schwarz |
In Redebeiträgen und Vorlesungen aus dem
Tagebuch des 1918 in Kuchenheim geborenen Graf wurde an dessen Leben, an
seinen Widerstand gegen das Nazi-Regime, seine Mitwirkung in der
Widerstandsgruppe "Die weiße Rose", an seine Zeit in Russland und
schließlich an jenen 12. Oktober 1943 erinnert, an dem Willi Graf unter
dem Fallbeil der Nazis im Gefängnis MünchenStadelheirn zu Tode
kam. Für sie sei diese Feier in Euskirchen eine der bewegendsten gewesen,
erklärte Anneliese Knoop-Graf: "Willi war, Willi ist einer von Euch,
ein Kuchenheimer", rief sie den Lehrern, Schülern und Gästen zu,
und sie forderte alle auf: "Wehret Euch gegen alle Machenschaften von denen,
die Euch sagen wollen: Wir sind die Größten"
Dass das Beispiel Willi Grafs heute noch aktuell ist, machte Schulleiter
Helge Biethahn deutlich: Nicht nur die Auswüchse Rechtsradikaler forderten
den Widerstand, auch im alltäglichen Umgang seien klare Einstellungen
vonnöten - etwa auf dem Schulhof: "Auch vor 20 Jahren wurde sich
geprügelt doch das hatte eine andere Qualität." Oftmals sei der
Sieger heute erst dann zufrieden, wenn der andere blute, stellte Biethahn
fest. Die Schule als pädagogische Einrichtung habe gegen den schlechten
Einfluss der Medien mit ihren täglichen Talk-Shows, "in denen extreme
Teile der Gesellschaft" präsentiert würden, nur noch geringe Chancen:
Jn fünf von 24, Stunden am Tage ist es fast unmögfich, das
auszugleichen, was sonst so passiert." Dennoch: Am Ende der Feierstunde konnte
Biethahn auch wieder Hoffnungsvolles feststellen. Er bedankte sich bei den
Schülern der unteren Massen, die der Veranstaltung weitgehend sehr
konzentriert beigewohnt hätten. Dies sei heutzutage keine
Selbstverständlichkeit: "Ich bin sehr stolz auf Euch." |
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