Schullogo

Willi-Graf-Realschule
Artikel in der Kölnischen Rundschau vom 10.11.2000






Feierstunde in Euskirchener Realschule - Schwester des Widerstandskämpfers:

"Willi Graf ist einer von Euch"

Von Michael Schwarz
Euskirchen. Was hätte Willi Graf gedacht, wäre er gestern Morgen in der Turnhalle der nach ihm benannten Euskirchener Realschule gewesen? Diese Frage stellten sich seine Schwestern Anneliese KnoopGraf und Mathilde Baez-Graf, die als Ehrengäste einer Feierstunde bewohnten. "Willi war sehr bescheiden", berichtete Anneliese Knoop-Graf in ihrer Rede anlässlich des neunten Treffens der Willi-Graf-Schulen in Deutschland.

Direktoren + Grafs

Gedachten Willi Graf: Schulleiter
Biethahn, die ehemalige Schulleiterin
Margret Gerke, Anneliese Knoop-
Graf, Mathilde Baez-Graf und der
ehemalige Schulleiter
Heinz Arnolds.
Foto: Schwarz

In Redebeiträgen und Vorlesungen aus dem Tagebuch des 1918 in Kuchenheim geborenen Graf wurde an dessen Leben, an seinen Widerstand gegen das Nazi-Regime, seine Mitwirkung in der Widerstandsgruppe "Die weiße Rose", an seine Zeit in Russland und schließlich an jenen 12. Oktober 1943 erinnert, an dem Willi Graf unter dem Fallbeil der Nazis im Gefängnis MünchenStadelheirn zu Tode kam. Für sie sei diese Feier in Euskirchen eine der bewegendsten gewesen, erklärte Anneliese Knoop-Graf: "Willi war, Willi ist einer von Euch, ein Kuchenheimer", rief sie den Lehrern, Schülern und Gästen zu, und sie forderte alle auf: "Wehret Euch gegen alle Machenschaften von denen, die Euch sagen wollen: Wir sind die Größten"
Dass das Beispiel Willi Grafs heute noch aktuell ist, machte Schulleiter Helge Biethahn deutlich: Nicht nur die Auswüchse Rechtsradikaler forderten den Widerstand, auch im alltäglichen Umgang seien klare Einstellungen vonnöten - etwa auf dem Schulhof: "Auch vor 20 Jahren wurde sich geprügelt doch das hatte eine andere Qualität." Oftmals sei der Sieger heute erst dann zufrieden, wenn der andere blute, stellte Biethahn fest. Die Schule als pädagogische Einrichtung habe gegen den schlechten Einfluss der Medien mit ihren täglichen Talk-Shows, "in denen extreme Teile der Gesellschaft" präsentiert würden, nur noch geringe Chancen: Jn fünf von 24, Stunden am Tage ist es fast unmögfich, das auszugleichen, was sonst so passiert." Dennoch: Am Ende der Feierstunde konnte Biethahn auch wieder Hoffnungsvolles feststellen. Er bedankte sich bei den Schülern der unteren Massen, die der Veranstaltung weitgehend sehr konzentriert beigewohnt hätten. Dies sei heutzutage keine Selbstverständlichkeit: "Ich bin sehr stolz auf Euch."

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