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Amerika - so fern und doch so nah: "Wie können Menschen das tun?"Von Michael Schwarz Euskirchen. Und dann wird es ganz still auf dem Schulhof der Marienschule. Dort, wo die Gymnasiasten sonst toben, ihr Pausenbrot essen oder einfach nur reden, erklingt gestern Morgen um 7.45 Uhr besinnliche Musik aus einem Auto-Lautsprecher: Adagio for strings gespielt von der Baltimore Symphony. Rund 50 Schüler stehen schweigend im Schuleingang. Sie sind zur Schule gekommen, obwohl wegen Lehrerfortbildung kein Unterricht stattfindet. "Wir wollen unser Mitgefühl mit den Opfern der Terroranschläge zum Ausdruck bringen", erklärt der 11-jährige Stefan. Für ihn sind die USA zurzeit ganz nah: "Meine Tante lebt in Los Angeles, sie wollte eigentlich nach New York ziehen." Andere wissen von Freunden, deren Eltern derzeit in den Vereinigten Staaten sind. Eine Reihe der Marienschüler stellt Kerzen auf - rund 100 Stück, einige legen Rosen auf die Erde und eine Oberstufen-Schülerin hängt ein Plakat an die Steinwand: "Imagine all the people", die Hymne des in den 80ern in New York ermordeten Ex-Beatle John Lennon von einer besseren Welt. Doch die Realität sieht anders aus: "Wie können Menschen Menschen so etwas antun?" fragt Stefan. Die Antwort ist Schweigen. Einige weinen. Dann ergreift Schulleiter Carl Schlesinger das Wort: "Ich danke Euch, dass ihr hierher gekommen seid. Wir können es nicht fassen, wir können es nicht begreifen. Wir können nur mitfühlen." Gedenkminuten in vielen Betrieben Die 14-jährige Conny hält das Ganze für eine "gute Aktion" - vor allem, weil die Trauernden aus fast allen Jahrgangsstufen kommen. "Die jüngeren Schüler der Klassen fünf und sechs sind erstaunlich gut über die Geschehnisse in den USA informiert", berichtet Marc Pesch, Jahrgangsstufe 12. Er gehört zu jenen Oberstufen-Schülern, die tags zuvor durch die Klassen der Jüngeren gegangen sind, um mit ihnen über die Terroranschläge jenseits des Ozeans zu reden. "Einige waren total geschockt", erzählt Marc. "Reden war aber ganz wichtig", fügt er hinzu. Darüber reden, denn erklären könne man das Geschehene ohnehin nicht. Gegen 10 Uhr folgten dann im ganzen Kreis weitere Gedenkminuten: Die rund 1600 Schüler der Realschulen Willi Graf und Kaplan Kellermann haben mit ihren Lehrern in einer Gedenkminute der Opfer des Terrors gedacht. Viele Schüler wollen morgen an einer Solidaritäts-Demonstration teilnehmen (siehe Bericht auf dieser Seite). In zahlreichen Betrieben, öffentlichen Gebäuden und Verwaltungen wurde gestern um 10 Uhr für einige Minuten die Arbeit niedergelegt. Bereits am Mittwochabend beteten Gläubige beider großer Konfessionen in der Evangelischen Kirche in Euskirchen für den Frieden. In der SPD-Geschäftsstelle am Rüdesheimer Ring können sich Bürger in ein Kondolenzbuch eintragen. Neben der Trauer wird in einer Stellungnahme der Partei auch Wut deutlich: "Den heimtückischen Mördern muss durch internationale und umfassende Ächtung und Verfolgung deutlich gemacht werden, dass sie sich mit ihrem Handeln aus der menschlichen Gemeinschaft und den allen Kulturen und Religionen zugrunde liegenden Prinzipien ausgegrenzt haben."
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