München,
12. Oktober 1943, ungefähr 17 Uhr. Im Gefängnis
von Stadelheim vollstreckt der Scharfrichter mit dem
Fallbeil das Todesurteil gegen einen jungen Mann, keine
26 Jahre alt. Es ist Willi Graf, ein gebbürtiger
Kuchenheimer.
Euskirchen (KHE). Ein halbes Jahr vorher,
am 19. April, war er am Münchner Volksgerichtshof
von "des Teufels Gerichtspräsident",
Dr. Roland Freisler wegen landesverräterischer
Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat
und Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt worden.
Im Umfeld der Universität München formierte
sich im Frühjahr 1942 eine Widerstandsgruppe gegen
das NS-Regime. Die Gruppe nannte sich die "Weiße
Rose". Im Frühjahr 1943 wurde die Gruppe
von den Nazis entdeckt. Bis dahin erstellte sie insgesamt
sechs Flugblätter und übermalte außerdem
auf öffentlichen Plätzen mit meterhohen, regimefeindlichen
Parolen Machtinsignien des diktatorischen Regimes Hitlers.
Bei Zwangseinsätzen im Reichsarbeitsdienst, im
Rüstungsbetrieben und an |
der Front
leistete sie passiven Wiederstand. Die wichtigsten Mitglieder
waren die Geschwister Hans und Sophie scholl, so wie
Christoph Probst Alexander Schmorell, Kurt Huber und
Willi Graf.
Willi Graf wurde am 2 Januar 1918 in
Kuchenheim geboren, 1922 übersiedelte die Familie
nach Saarbrücken.Als Gymnasiast war er in der katholischen
Jugendbewegung aktiv .1934 wurde die konfessionellen
Jugendverbände verboten.Graf blieb dennoch lockeren
Zusammenschlüssen von katholischen Jugendlichen
verbunden, die zu jener Zeit mehr oder weniger illegal
tätig waren.Bereits 1938war er deswegen einige
Wochen inhaftiert.Sich dem Regime zu wiedersetzen, hielt
er aber als überzeugter Katholik für seine
Pflicht und so weigerte er sich u.a. konsequent der
Hitlerjugend beizutreten .1937 begann er mit dem Medizinstudium,
zunächst in Bonn, später ab 1942 dann in München,
wo er seine" Freunde" traf. Auffällig
war, dass die meisten Mitglieder der" Weißen
Rose" von einer starken christlichen |
Glaubensüberzeugung
geprägt waren.Auslöser für den aktiven
Wiederstand waren wohl die Predigten des Münsteraner
Bischofs Clemens August Graf von Galen, die seit Sommer
1941 unter der Hand im Reich verbre
itet wurden.Bischof Galen klagte darin
offen die Verfolgung durch die Gestapo an und bezeichnete
die Ermordung Geisteskranker als" Mordbefehl"
von oben.Deshalb hatte er auch vorm Landgericht Münster
Strafanzeige gegen das Regime gestellt.Galen blieb damals
nur deswegen unbehelligt ,weil das Regime nicht die
katholische Bevölkerung gegen sich aufbringen wollte.
Später verfasste die" Weiße
Rose" eigene Texte, allerdings sollte die Aktivitäten
der Gruppe nicht nur in München beschränkt
bleiben.Die Flugblätter wurden vor allem an Akademiker
verschickt.Überwiegend an Personen mit regimentkritischer
Einstellung, die durch Weitervervielfältigung und
Weitererzählung als Multiplikatoren tätig
werden sollten. |
Flugblätter
der" Weißen Rose" tauchten u.a. in Berlin
Hamburg, Köln, Stuttgart, Freiburg, Chemnitz, Wien
und Salzburg auf.Das letzte Flugblatt der "Weißen
Rose" wurde in England nachgedruckt und über
Deutschland abgeworfen.In Hamburg entsandt u.a. eine
eigene, ebenso studentisch geprägte Wiederstandszelle
unter den Namen "Weiße Rose". Vordergründig
wollte die Gruppe mit ihren Flugblättern deutlich
machen, dass erstens nicht alle Deutschen hinter dem
Regime standen und zum zweiter sollte die Bevölkerung
über all dort, wo der reibungslose Ablauf der Kriegsmaschinerie
verhindert werden konnte, zu passivem Wiederstand gegen
das Regime aufgerufen werden.
Hauptziel war es, die NS_ Diktatur
zu stürzen, was letztlich nicht gelang, da die
Bevölkerung nicht zum offenen Widerstand bereit
war. |