Blutzeugen ist die Überschrift
eines Artikels in der Kirchenzeitung Für das Erzbistum Köln
vom 30. Oktober 1998
Willi Graf
(1918 - 1943)
Am 2. Januar 1918 kam Willi Graf in Kuchenheim bei
Euskirchen zur Welt. In Alter von vier Jahren zog er mit seiner
Familie nach Saarbrücken. Dort war er nicht nur Ministrant
bei Kaplan Joseph Höffner dem späteren Kölner Erzbischof
und Kardinal, sondern wurde zugleich Mitglied des katholischen Schülerbundes
"Neudeutschland". Als diese Jugendgruppe 1936 aufgelöst
wurde, weigerte er sich, der Hitlerjugend beizutreten.
Nach dem Abitur begann Willi Graf das Studium der
Medizin in München. Anfang 1940 erlebte er als Sanitäter
die Schrecken des Krieges und die Barbarei an verschiedenen Kriegsschauplätzen.
Nach München zurückgekehrt, kam er bald in Verbindung
mit gleichgesinnten Studenten des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus
aus christlich- abendländischer Tradition. Seit April 1942
gehörte er dem Kern der Widerstandsgruppe "Weiße
Rose" an, die, von religiös-ethischen Prinzipien geleitet,
insgesamt sechs Flugblätter an der dortigen Universität
verbreiteten, in denen sie zum Widerstand gegen Hitler und das NS-Regime
aufforderten.
Das Unternehmen flog auf. Am 18. Februar 1943 gestanden
die Geschwister Scholl ihre Initiative. Willi Graf wurde am gleichen
Tag in seiner Münchner Wohnung festgenommen und in das Untersuchungsgefängnis
der Gestapo gebracht. Am 19. April 1943 zum Tode verurteilt, wurde
Graf am 12. Oktober 1943 im Gefängnis München -Stadelheim
hingerichtet. Das Andenken an ihn, wie an alle Mitglieder der "Weißen
Rose", ist bis heute sehr lebendig geblieben.
Wer Unterlagen über das Leben von Willi
Graf besitzt oder Zeitzeugen kennt, wende sich an Prälat Dr.
Helmut Moll, Kardinal-Frings-Straße 1-5, 50668 Köln.
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