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Die letzten Worte von Willi Graf vor der Hinrichtung |
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Die letzten Worte von Willi Graf vor dem Heimgehen zu Gott, dem Seelsorger diktiert: diesen letzten Worte könnt Ihr auch ohne Bild als rtf-Datei (kann mit Word geöffnet werden) laden.
?Anneliese?! Ich habe am letzten Tag noch Deinen Brief bekommen und Deine Worte waren mir ein großer Trost. Nun mußt Du alleine den Eltern helfen in diesem Leid und versuchen zu ersetzen, was ich den Eltern nicht sein konnte. Du weißt, wieviel Du mir bedeutet hast, und ich sage Dir in dieser letzten Stunde, wie sehr ich Dich lieb gehabt habe. Die Gespräche unserer letzten Wochen sollen Dir helfen und Inhalt für Dein zukünftiges Leben sein. Ich werde bei Dir sein, auch wenn ich nicht mehr im Leben an Deiner Seite stehen kann. Ich bin stolz auf Dich, und wenn ich weiß, daß Du jetzt den Weg finden wirst, der immer nur auf Christus hinzielen kann. Gerade in der Zeit meiner Einsamkeit habe ich viel an Euch alle gedacht und für Euch gebetet, und ich glaube und hoffe, daß Ihr alle Trost und Stärke in Gott und seinem unerforschlichen Willen findet. Du weißt, daß ich nicht leichtsinnig gehandelt habe, sondern daß ich aus tiefster Sorge und dem Bewußtsein der ernsten Lage gehandelt habe. Du mögest dafür sorgen, daß dieses Andenken in der Familie, den Verwandten und Freunden lebendig und bewußt bleibt. Für uns ist der Tod nicht das Ende, sondern der Anfang wahren Lebens und ich sterbe im Vertrauen auf Gottes Willen und Fürsorge. Vieles möchte ich Dir noch sagen, aber es ist so schwer, in letzter Minute davon zu sprechen. Auch gegenüber dem kleinen Joachim hast Du eine besondere Aufgabe, die ich nicht mehr erfüllen konnte, obwohl ich bei seiner Taufe Pate wurde. Steh Du an seiner Seite und hilf ihm einmal, wenn er in Not ist. Sag auch den Eltern und Mathilde meine besondere Liebe und wie sehr es mich schmerzt, daß ich ihnen dies Leid zufügen mußte. Bis zur letzten Stunde werden meine Gedanken und Gebete bei Euch sein. Denke beim Anhören der Arie aus Händels ?Messias?: ?Ich weiß, daß mein Erlöser lebt? ? an die gemeinsame Stunde, die wir im Odeon verlebten. Allein dieser Glaube ist mir Halt und Stärke. Vergiß mich nicht und bete, daß Gott mir ein gnädiger Richter sei. Auch gegenüber meinen Freunden sollst Du bestimmt sein, mein Andenken und mein Wollen aufrecht zu erhalten. Du kannst es ja verstehen, daß ich keinem der Freunde ein Zeichen hinterlassen konnte. Nenn die Zeit günstig ist, mögest Du Dich mit ihnen in Verbindung setzen. Vor allem mit Hein Jacobs und Dr. Fritz Leist. Sage auch allen andern Freunden meinen letzten Gruß. Sie sollen weitertragen, was sie begonnen haben. Alle meine Bücher und Schriften in München, Saarbrücken und Bonn hinterlasse ich Dir. Du sollst nach Deinem Gutdünken damit umgehen. Mein Lieblingspsalm war Psalm 9o und dieses herrliche Gebet lasse ich in Deinen Händen zurück. daß Du beim Beten dieses Psalmes immer wieder an mich denken wollest. Ich danke Dir für alles, was Du mir gegeben hast und wir bleiben in Liebe vereint. Meine liebe Mutter ? Du wirst wohl am meisten darunter leiden, daß ich auf diese Weise aus dem Leben scheide. Aber Du mußt stark sein und um Trost und Kraft bitten, denn Deine Kinder und Dein Enkelkind brauchen Deine Hilfe und Deine mütterliche Liebe ganz besonders. Verzeihe mir, was ich Dir und Vater an Leid zugefügt habe und bete für mich. Wenn ich es auch nicht oft gesagt habe, so sollst Du wenigstens in letzter Stunde noch hören, wie wert und lieb Du mir warst. Alles, was ich bin, verdanke ich Euch, meine lieben Eltern, denn Ihr gabt mir alle Freiheit und Möglichkeiten mit auf den Lebensweg. Wir empfangen Leid und Freude aus der Hand des Allmächtigen, und so wollen wir auch diesen Schmerz nehmen und tragen und daran wachsen. Vater und die Kinder werden Dir zur Seite stehen und Dir helfen und mit Dir beten, daß Ihr die Kraft von Gott erhaltet, in diesem Leid zu bestehen. Wir sehen in allem seinen Willen, der zum Besten für uns gegeben ist. Ich wünsche Euch für die Zukunft alles Glück und seinen Segen, und auch Zukünftiges möge Euch nicht ohne Fassung finden. Wir werden uns wiedersehen am Throne des Ewigen. Allen Verwandten, die ich nicht einzeln nennen kann, sage meinen Gruß und bitte sie, für mich zu beten. Ein letzter Gruß soll Euch mit diesem Schrieb erreichen. Seid stark und betet zu Gott, aus dessen Hand wir alles empfangen haben, daß er Euch Trost und Kraft geben möge. In herzlicher Liebe ? Dein Willi entnommen ?Willi Grafs Jugend im Nationalsozialismus im Spiegel von Briefen? © Hildegard Vieregg / Jos Schätzler Gruppe Willi Graf München im Bund Neudeutschland 1984
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