Weiße Rose

Willi-Graf-Realschule

Warum unsere Schule "Willi-Graf-Realschule" heißt
- Die Begründung -

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Willi Graf


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Die Schülerinnen aus Kuchenheim begründen 1975 die Wahl des Namens:


Unsere Wahl fiel auf Willi Graf.
Warum wir ihn vorgeschlagen haben?

Er wurde 1913 im Kreis Euskirchen, unserer Heimat geboren. Uns gefällt seine Mutter. - Willi Graf erzählt in seiner Selbstbiographie:" Verhältnismäßig früh schon wies die Mutter uns Kinder auf die wirtschaftliche und soziale Not anderer Familien hin. Ich wurde angehalten, auf manchen Genuß zu verzichten, damit einem ärmeren Kind eine Freude bereitetwerden könne. Auch ging ich ab und zu mit in die Familien, die meine Mutter betreute, und erfuhr so die Bedeutung persönlicher Wohltätigkeit."

Er war ein temperamentvolles, keineswegs immer nur braves Kind, "oft reizbar und aufbrausend. Es gab fast eine Familientragödie, wenn er ein Gesellschaftsspiel verlor," berichtet seine jüngere Schwester.

Er hatte die gleichen Wünsche und Hoffnungen wie wir. Von Frau Knoop - Graf, seiner Schwester, erfahren wir: er sehnte sich nach "dem Zusammensein mit Freunden und den Gesprächen mit ihnen, nach neuen Erlebnissen und Abenteuern, nach dem Entdecken neuer Landschaften, dem Leben in der Natur und dem Gefühl grenzenloser Freiheit."

Er hatte auch die gleichen Angewohnheiten wie viele von uns: Wir zitieren Frau Knoop-Graf: ”Er aß gerne und bemerkte bei einem nächtlichen Kirschenessen, im Baum sitzend mit Bedauern: "Ich möchte einen Kuhmagen haben, um noch einmal so viel unterbringen zu können." - Abends fing er an, lebhaft und mitteilsam zu werden, trank viel Tee und sehr gern Wein, verbreitete Behaglichkeit und zuweilen auch Fröhlichkeit um sich und konnte gradezu ärgerlich werden, wenn einer schon allzufrüh zum Aufbruch drängte.

Wir finden seine Empfehlung, als Hilfsmittel zur Konzentration auf einem Kirschkern zu kauen, doch noch origineller als Kaugummikauen.

Er verstand es, wenn jemand seine Fassung verlor: "Es ist ganz gut, wenn man ab und zu seine Fassung verliert, denn auch dadurch klärt sich manches. Schließlich muß man eben doch erst einmal eine Fassung haben - eine gewisse Lebensform also, wenn man sie schon verlieren kann", so lautet eine Eintragung in seinem Tagebuch.

Er liebte Tiere. Im Januar 1940 schrieb er aus dem Kriegsschauplatz im Osten an seine Schwester:
"Dein schwarzes Katzentier möchte ich mir zu gerne einmal anschauen. So ein Biest ist doch zu nett.Ein kleiner Hund gefiele mir auch ganz gut. In einer Nachbatterie haben sie einen ganz reizenden Fox, direkt zum Klauen nett; aber dafür wird er auch gut bewacht.”

Wir sind mit ihm einer Meinung, wenn er alles haßt, "was konventionell und allzu bürgerlich ist, alles Schablonenhafte ablehnt und ein entschiedenes Anderssein vorzieht", so berichtet seine Schwester.

Uns imponiert die "rigorose" Art, wie er sich in einem totalitären Staat Freunde und Bekannte aussucht: Er macht in Bezug auf freundschaftliche Bindungen keine Konzessionen. Wo er überzeugende Gemeinsamkeit nicht erleben konnte, blieb er kühl und reserviert - manche mochten ihn als verbohrt und einseitig angesehen haben. Er gab sich nur ganz, wenn es sich lohnte, sich menschlich zu engagieren. Er konnte lange zuhören und abwägen. Das erfahren wir aus dem Lebensbild über Willi Graf, das seine Schwester entworfen hat. - Und Willi Graf selbst behauptet: "Dies ist doch das Eigentliche, was allem tun noch einen Sinn und Wert gibt, daß Menschen da sind, mit denen man zusammenleben kann, weil sie die gleichen Anschauungen haben."

Er war von der Sinnlosigkeit des Krieges überzeugt und tief betroffen von den Zerstörungen, die er anrichtet. In seinem Kriegstagebuch vermerkte er im Juli 1942: "Mittags in Warschau. Das Elend sieht uns an. Hoffentlich sehe ich Warschau nicht mehr unter diesen Vorzeichen und Bedingungen!" Und an einer anderen Stelle heißt es: "Daß mir immer in meinen Gedanken das Schicksal dieser Mensch liegt. Bin ich tatsächlich wehleidig oder zu weich?"

Er war gegen engstirniges übersteigendes Nationalbewußtsein. Durch Alexander Schmorell und durch die russische Literatur fand er den Zugang zum russischen Menschen. "Am Abend hören wir russische Lieder bei einer Frau, die im Lager arbeitet; wir sitzen im Freien, hinter den Bäumen geht der Mond auf; die Strahlen fallen in die Zwischenräume der Baumreihen; es wird kühl; die Mädchen singen zur Gittare... man spürt Rußlands Herz, das wir lieben." (Aus einer Tagebuchaufzeichnng vom August 1942.)

Wir finden sein Verhalten während der Haft bewundernswert: Er denkt zuerst an seine Angehörigen und seine Freunde, zuletzt an sich. Seine Schwester berichtet: "Aus den zugesteckten Zetteln wird deutlich, wie sehr er um seine Freunde und die Familie bangte und wie sehr er hoffte, daß sie verschont blieben. Das Opfer seines eigenen Lebens hatte er von vorneherin als Möglichkeit miteinbezogen."
"Wenn ihr nur aushaltet, ich schaffe es schon, denn ich weiß ja, wozu", sagte er zu seinen Familienangehörigen.

Wir sind mit Klaus Vielhaber der Ansicht:
“Willi Graf und die 5 Freunde, die mit ihm ihr Leben daransetzten für ein anderes,neues Deutschland, ein neues Europa, verpflichten uns alle, nicht nur die Jugend.”

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